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Aus dem bewegten Leben einer Katzenmutti oder:

  • fiona
  • 4. Apr. 2021
  • 4 Min. Lesezeit

Jochen Schweizer Erlebnisreisen für Katzen: Entfesslungskunst. Fehlgeschlagen.


Ich hoffe, ihr hattet alle einen wundervollen Ostersonntag!

Meiner fing gleich schon mit einer ordentlichen Prise Drama, Action und Panik an, denn Jojo, mein roter Tiger, hat sich ganz schlimm in einem seiner Spielzeuge verfangen.

Wir haben mit einer Angel gespielt an deren Ende ein kleiner Ball hing. Der Faden hat sich allerdings um eines von Jojos Beinen gewickelt. Sowas ist aus Versehen schon öfter passiert. Normalerweise flitzte er dann los und das Ding entwirrte sich von allein.

Nur nicht heute. Es blieb an seinem Bein hängen und vor lauter Panik rannte er wie ein bekloppter los. Dass der Holzstab der Angel dabei lautstark über den Boden hämmerte, trug natürlich nicht dazu bei, dass Jojo ruhiger wurde. Im Gegenteil. Wie wild versuchte er das Ding loszuwerden, was sich dadurch nur noch mehr um sein Bein bzw. seinen Fuß schnürte. Noch nie habe ich meinen Kater so panisch gesehen. Noch nie habe ich ihn so fauchen und kreischen gehört. Voller Angst und Hilflosigkeit.

Zuerst fand ich das alles noch sehr lustig, doch als ich dann merkte, dass das Teil sich so stark verheddert hatte, dass Jojo sich nicht mehr selbst davon befreien konnte, schwappte auch bei mir Panik auf. Vor allem, weil sich der Fratz nicht beruhigte. So konnte ich ihn nicht zu fassen kriegen. Alles was ich hörte waren sein Kreischen, das Fauchen und das schlimme Klappern des Holzstabs, der über den Boden geschliffen wurde. Leider ging es dann so weit, dass sich auch der zweite Fuß in dem Seil verfing und es sich immer enger zusammenzog. Das Spielzeug hatte sich nun um beide seiner hinteren Beine gewickelt, was Jojos Panik natürlich dann noch verstärkte.

Wie wild sprang er durch die Wohnung, hüpfte auf meine Fensterbank im Wohnzimmer (fragt mich nicht wie er das mit zwei gefesselten Hinterbeinen geschafft hat), fiel herunter und blieb dann erschöpft unter der Heizung liegen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich aus meiner Schockstarre erwachte.

Ich musste ruhig bleiben. Atmen. Nachdenken. Panik würde uns hier jetzt nicht weiterbringen. Ich wusste, dass ich ihn auf keinen Fall ohne Handschuhe greifen könnte, wenn ich meine Hand behalten wollen würde. Mein Gehirn arbeitete und in Sekundenschnelle überlegte ich, was ich für Handschuhe hier liegen habe. Vor kurzem erst hatte ich mir Gartenhandschuhe gekauft, diese würden aber zu dünn sein. Dann fielen mir meine dicken Winterhandschuhe ein, die ich zum Radfahren an kalten Tagen trage. Diese sollten dick genug sein, um nicht allzu viel zu spüren, wenn Jojo die Chance kriegen würde mich zu beißen und/oder zu kratzen. Also holte ich mir fix meine Handschuhe, schnappte mir die Nagelschere, griff meinen Kater fest im Nacken und schaffte es tatsächlich das erste Bein freizubekommen! Dieser Hass, die Wut und die Verzweiflung, die mir von meinem Kater entgegenschlugen, erschreckten mich schon sehr. Leider schaffte ich es nicht mehr das zweite Bein auch mit zu befreien, geschweige denn wenigstens den Holzstab abzutrennen, damit dieser, wenn Jojo wieder voller Panik durch die Wohnung düsen würde, nicht mehr laut klackernd hinter ihm her schleifen würde. Das Katzentier entwischte mir und verzog sich nun unters Bett. Super Stelle. Da kommt ja so spitzenmäßig ran… Aber zum Glück gehört mein Kater zu der Rasse „verfressene Katze“ (Hand aufs Herz… gibt es überhaupt Katzen, die nicht verfressen sind?). Und so führte mich mein nächster Weg dann also in die Küche, wo die Tube mit der Lachspaste stand. Aufgeschraubt und unter das Bett gehalten, habe ich es auch fast geschafft Jojo komplett darunter hervorzulocken. Nur leider nicht so weit, dass ich ihn hätte greifen können. Da der junge Mann ja nun auch nicht blöd ist, hat er irgendwann den Braten gerochen und sich noch weiter unter das Bett verzogen. „Okay.“ Dachte ich mir. Runterkommen, Pause, Atmen, Nachdenken. So konnte auch Jojo erstmal ein bisschen zur Ruhe kommen. Erst als ich mich auf mein Sofa setzte und ein wenig zur Ruhe kam merkte ich, wie sehr ich zitterte. Mein Herz war kurz davor mir aus der Brust zu springen, so wild pochte es. Ich war den Tränen nahe. Mein armes Baby. Sein Kreischen, das Fauchen. Was muss er für fürchterliche Angst gehabt haben?!

Erstaunlicherweise blieb aber das ganze Overthinking, was mich normalerweise überkommt, komplett aus. Keine Gedanken a la: Was ist, wenn ich ihn nicht frei bekomme? Wie geht es weiter? An wen wende ich mich? Was ist, wenn sich die Schnur noch enger um seine Beine schnürt und ihn ernsthaft verletzt? Dass diese Gedanken ausblieben hilf mir enorm die Ruhe zu bewahren und im Nachhinein bin ich doch sehr positiv überrascht von mir selbst.

Das Ende verlief dann doch, einfacher und glimpflicher als gedacht. Denn als ich nach der kleinen Verschnaufpause nach Jojo geschaut habe, lag er zwar immer noch hektisch atmend unter dem Bett, war aber so weit zur linken Seite gekrochen, dass ich an den Stab herankommen konnte. Also kniete ich mich hin und zog leicht an dem Stab. Womit ich nicht rechnete, war, dass ich dann die komplette Angel in der Hand hatte. Hieß, auch das zweite Bein war jetzt endlich frei. Anscheinend musste ich die zweite Schlaufe beim ersten Versuch Jojo zu befreien doch schon etwas angeschnitten haben. Anders kann ich mir nicht erklären, wie sie sich durch das einfache, kurze Ziehen an dem Stab hätte lösen können.


Die Erleichterung war R I E S I G! Auf beiden Seiten wohl. Wobei Jojo nach 10 Minuten schon wieder die Ruhe selbst gewesen ist (siehe Foto am Ende)

und ich DEN GANZEN VERKACKTEN TAG NOCH DARAN ZU KNAPPERN HATTE!

Ich bin so unglaublich stolz auf dieses Katzentier! Mein kleiner mutiger Held, der nicht im Geringsten nachtragend ist. Ich kann mir vorstellen, dass viele andere Katzen erstmal für Wochen diesen Schock verkraften müssen, sich zurückziehen, oder schreckhaft werden. Und genau das war zuerst auch meine Angst. Aber nichts dergleichen ist eingetreten.


Allerdings denke ich nicht, dass er diesen Jochen Schweizer Abenteuertrip weiterempfehlen wird.


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