Zurück zu mir selbst
- fiona
- 25. Sept. 2022
- 2 Min. Lesezeit
Ihr lieben,
nun ist es fast ein Jahr her, seitdem ich mit Lungenentzündung, Pleuraerguss, tiefe Beinvenenthrombose und Lungenembolien für 14 Tage im Krankenhaus lag.
Mittlerweile geht es mir wieder so gut, wie schon lange nicht mehr. Physisch, sowie psychisch.
Und das erfüllt mich mit sehr viel Dankbarkeit und Demut.
Heute war es mir möglich zum ersten Mal seit, ich kann mich gar nicht mehr erinnern seit wann, wieder 3km am Stück zu laufen. Ohne, dass der Puls jenseits von Gut und Böse gewesen ist. Mit einer Pace von unter 9 Minuten den Kilometer.
Jeder der mich schon etwas länger kennt, weiß, was mir der Laufsport bedeutet und wie lange ich schon versuche, wieder auf Kurs zu kommen. Seitdem ich wieder regelmäßig trainiere (und mein ADHS-Medikament abgesetzt habe), sehe ich bei jedem neuen Trainingslauf Fortschritte.
So vieles hat sich bei mir seit dem letzten Jahr verändert. Vor allem in meinem Kopf. Zum Positiven.
Mein treuer Begleiter, der Selbsthass, musste der Selbstakzeptanz weichen. Kein schlechter Tausch, wenn ihr mich fragt. Auch wenn es teilweise noch ungewohnt ist, dass ich mich nicht mehr selbst zerfleische und mir selbst gegenüber mehr Zuneigung entgegenbringe.
Selbstkritisch bin ich dennoch weiterhin. Doch denke ich, ein gesundes Maß der Kritik an mir selbst, gefunden zu haben.
Selbstkritisch zu sein hilft mir auch bei meiner persönlichen Weiterentwicklung.
Dennoch ist meine innere Kritikerin immer noch sehr groß, doch kann ich sie mittlerweile gut kontrollieren und erkenne (meistens), wenn ich mal wieder zu hart mit mir ins Gericht gehe.
Achtsamer bin ich geworden. In vielerlei Hinsicht.
Achtsamer meinem Körper gegenüber.
Achtsamer meiner Gedanken gegenüber.
Achtsamer meinen Bedürfnissen gegenüber und
achtsamer meinen Empfindungen gegenüber.
Auch das Thema Akzeptanz spielte in dem letzten Jahr eine große Rolle. Mein absoluter Endgegner.
Akzeptieren musste ich, dass ich so schnell nicht mehr zu meiner alten Form zurückkehren werde. Falls überhaupt.
Akzeptieren musste ich, dass jetzt alles etwas langsamer vonstatten geht. Zu sehr habe ich die letzten Jahre auf der Überholspur gelebt, wofür mein Körper und meine Seele bezahlen mussten.
Akzeptieren musste ich, dass meine 100% vielleicht gerade mal die 50% von anderen sind und dass das okay ist.
Akzeptieren musste ich mein ADHS und alle damit verbundenen psychischen Komorbitäten.
Seitdem ich mich in Akzeptanz übe merke ich, wie ich zufriedener werde und das ist ein schönes, dennoch noch sehr ungewohntes, Gefühl.
Natürlich ist noch nicht alles gut und ich gerate noch oft in's Wanken. Doch bleibt es beim Wanken. Ich falle nicht mehr. Auch habe ich noch andere Baustellen, die es irgendwann anzugehen gilt. Aber ich habe Zeit.
Das alles hätte ich nicht erreicht, wenn ich keine akute, intensive therapeutische Hilfe gesucht hätte.
Die insgesamt 9 Wochen in der Schön Klinik Bad Bramstedt (und mein Krankenhausaufenthalt) haben mich gestärkt. Mir andere Blickwinkel aufgezeigt.
Es war ein turbulentes Jahr. Ein schmerzhaftes, körperlich, wie mental. Ein anstrengendes Jahr.
Wie oft wollte ich aufgeben, mein Leben wegschmeißen. Davon bin ich, Gott sei Dank, mittlerweile meilenweit entfernt.




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